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Quelle Tagesanzeiger
Don King ist Gottvater des Boxsports

Der berühmteste Box-Promoter der Welt weiss, dass man seine Karriere nur auf eine Weise erklären kann, und hat dafür selbst diesen Spruch geprägt: «Only in America».

 

Er verdient heute Samstag mit, wenn Nikolai Walujew in Zürich fightet: Promoter Don King. (Bild: Keystone)

Nur in Amerika kann ein Mann aus dem illegalen Glücksspielmilieu, der zwei Menschenleben auf dem Gewissen hat und in jungen Jahren wegen Totschlags jahrelang im Gefängnis sass, zum Aushängeschild einer Branche werden, in der jedes Jahr – auf legale Weise – Hunderte von Millionen Franken umgesetzt werden. Nur in Amerika kann ein Unternehmer trotz hinreichen dem Tatverdacht in Verfahren wegen Steuerh interziehung und Versicherungsbetrug mit Frei sprüchen zweiter Klasse davonkommen und dennoch immer auf Sportler treffen, die ihm blind vertrauen, um ihn später auf Schadensersatz zu verklagen.

Auch im Alter von inzwischen 77 Jahren ist Don King, Sohn eines früh verstorbenen Stahlarbeiters aus Cleveland, Ohio, noch immer aktiv. Doch der Einfluss des Mannes, der einst die Geschäfte von Muhammad Ali, George Foreman, Larry Holmes und Mike Tyson lenkte, hat deutlich nach gelassen. Das wiederum liegt in der Tatsache begründet, dass in den USA zum einen seit ein paar Jahren das Interesse am Boxen abflaut – und dass zum anderen immer mehr Weltmeister aus Osteuropa kommen. Und die lassen sich nicht so leicht mit der aufgeblasenen kingschen Rhetorik um den Finger wickeln. Die meisten sprechen nicht einmal Englisch und empfinden durchaus nicht jene Solidarität der Hautfarbe, mit welcher der schwarze Don King seit je die schwarzen Schwergewichtler umgarnen konnte.

So darf Don King denn mittlerweile froh sein, dass er – zusammen mit dem deutschen Boxstall Sauerland – wenigstens einen Anteil am Management des Russen Nikolai Walujew hält. Allerdings lässt sich aus dieser Tranche sicher noch die eine oder andere Million machen. Der 2,13-Meter-Riese aus Sankt Petersburg ist nicht nur einer der zahllosen Weltmeister (nach WBA-Version), sondern auch eine hochgradig vermarktbare Figur. Sollte er heute Abend im Zürcher Hallenstadion gegen Evander Holyfield gewinnen, steht einem Kampf gegen den Ukrainer Wladimir Klitschko, den Champion der Verbände IBF, WBO und IBO, nichts mehr im Wege. Und zwar in Las Vegas oder New York, wo King seine Karten als Einfädler und Einheizer ausspielen kann und wird.

Auftritt in «Miami Vice»

Das sollte dann allerdings das letzte Hurra für den alten Mann mit den wirr nach oben toupierten krausen Haaren werden, der in der Fernsehserie «Miami Vice» einst einen Box-Promoter mit dem sinnigen Namen «Don Cash» spielte und dem Papst anlässlich einer Audienz einen Boxgürtel überreichte. Denn inzwischen regieren in den Vereinigten Staaten mit Mixed Martial Arts und Ultimate Fighting brutale Formen nackter Aggressivität; auf den Pay-per-View-Fernsehkanälen darf vor laufender Kamera gnadenlos geschlagen, getreten und gewürgt werden. Die Kämpfer sind hauptsächlich Weisse, was den Erfolg beim überwiegend weissen Publikum erklärt.

Obendrein lässt sich das Thema Hautfarbe seit diesem November nicht mehr auf die gleiche Weise ausschlachten. Only in America: Demnächst wird im Weissen Haus ein Schwarzer regieren.                                                                                 <<Back

 
 
 
  
              
                  
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