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Boxen Varpolata/Ungarn
25.7.2009
Várpolata
Ein Haken aus heiterem Himmel
Suedkurier.de
Ziel verfehlt:
Mohesen Moradian hat seinen Kampf gegen Gabor Veto (rechts)
verloren und somit auch die Chance, um die Weltmeisterschaft zu boxen.

Es hat nicht sollen sein. Mohesen Moradian vom Thai-Box Club Singen hat die
Chance auf einen Titelkampf gegen René Gonzalez, Juniorenweltmeister des
Profibox-Weltverbands WBC (Klasse bis 61 kg), verpasst. In Várpalota (Ungarn)
verlor Moradian den Qualifikationskampf gegen den Ungarn Gabor Veto durch
Technischen k.o. in Runde zwei.
„Tapferstein“ heißt, dem
Ereignis angemessen, Várpalotas mittelalterliche Burg. Sie ist für
eine Sommernacht Kulisse eines durchaus imposanten Open-Air-Spektakels.
Im Park vor der Burg steht der Boxring, gesäumt – oder besser:
umlagert – von 6000 Zuschauern, die den ungarischen Box-Helden Gabor
Veto in seinem ersten Profikampf auf heimischem Boden erleben wollen.
Feuerwerk glitzert, Kameramänner wuseln und die Blasmusik spielt, als
Veto aus der Pforte der Burg tritt und zum Ring eskortiert wird.
Várpalota ist seine Heimatgemeinde. Sie erwartet – daran besteht kein
Zweifel – von ihrem Knockout-Spezialisten einen glasklaren Sieg.

Den Mann, der das verhindern will, erkennt in Várpalota inzwischen
auch jedes Kind. „Veto vs. Moradian“ steht auf den Plakaten, die seit
Wochen überall aushängen und die unerbittlich entschlossenen Gesichter
der Kontra henten zeigen. Mohesen Moradian,
eigentlich Thai-Boxer und in dieser Disziplin ebenso amtierender Deut
scher Meister wie im Kickboxen und K-1, ist mit seinem Team vom
Thai Box Club Singen gewiss nicht wegen der Paprikawurst nach Ungarn
gereist. Er will Veto schlagen, er will seine Chance auf den WBC-Titel.
In Runde eins läuft es gut für
den sympathischen Singener. Er bewegt sich leichtfüßig,
reaktionsschnell und taktisch klug. Mehrfach schlägt seine Rechte bei
Veto ein. Nach drei aktionsreichen Minuten ist Moradians Ecke –
Trainer Ralf Hasenohr, Valdet Gashi und Vater Wilson Moradian –
durchaus zufrieden und zuversichtlich.

Beim Boxen genügt eine Aktion
oder eine Unaufmerksamkeit, um alle Hoffnungen zu zertrüm
mern. In der zweiten Runde erwischt Veto den Singener
millimetergenau mit einem rechten Haken am Kinn. Moradian knicken die
Beine weg, er wird angezählt. „Ich habe da nur noch gedacht: Ich muss
ihn unbedingt k.o. schlagen, bevor ich selbst umfalle“, berichtet
Moradian über die dramatischen Sekunden. Obwohl angeknockt, attackiert
er seinen Gegner, doch ein Ringfuchs wie Veto, mit dem
Erfahrungsschatz von 70 Amateurkämpfen gerüstet, lässt sich in einer
solchen Situation die Butter nicht mehr vom Brot nehmen. Zweimal noch
wird Moradian angezählt, dann beendet der prominente Ringrichter –
Ex-Olympiasieger und Profi-Weltmeister Istvan Kovacs – das Gefecht.
Ist die Enttäuschung groß? „Ja,
schon“, sagt Mohesen Moradian, kurz „Momo“ genannt, am Morgen danach
beim Frühstück mit leicht schmer zender
Kinnlade. „Ich hätte ihn besiegen können. Ich war unvorsichtig.“ Und,
voraus schauend: „Ich werde versuchen, meine
Fehler in den Griff zu bekommen und es beim nächsten Mal besser machen.“
Es ist klar, dass er nochmal gegen Veto in den Ring will.

Keinen Grund zur
Trübsal sieht Trainer Ralf Hasenohr: „Gegen so einen
Weltklasse-Kämpfer zu verlieren, ist keine Schande.“ Für Mohesen
stünden weitere internationale Kämpfe an, zuvorderst im Thai-Boxen, wo
mit Faust, Fuß, Ellbogen und Knie geschlagen wird, aber auch im
Profi-Boxen könne man weiter mit ihm rechnen.
Vor Burg „Tapferstein“ musste der 18 Jahre junge Mohesen Moradian
erstmals in die Knie gehen. Aber er hat auch gezeigt, dass er stark
genug ist, wieder aufzustehen und anzugreifen.
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www.naplo-online.hu |